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KEHRSEITENKUNST

Carl Friedrich Schröer, Katalog, Zugweg 2000

Zwischen dem Überfluß und der Verschwendung ist der Luxus angesiedelt. Ein schillernd Ding, dessen Glanz uns gerne blendet, in dessen Schimmer wir uns gerne zeigen. Unter Umständen erfordert er große Anstrengung, ebenso wie Disziplin und Einfallsreichtum. Es versteht sich, daß Aufwand und Abweichen anstößig wirken. Wohl zu allen Zeiten hat es Bußpredigten wider den Luxus gegeben; Reformbewegungen, manchmal sogar Revolutionen zielen in ihrer Stoßrichtung auf die “Entartung” und kämpfen für das Schlichte, das angeblich von der Natur oder Gott Gegebene. “Luxus”, so steht es im Brockhaus, “widerspricht dem sittlichen Ideal einfacher, anspruchsvoller Lebensführung; da er Neid erzeugt, kann er zu sozialen Konflikten führen.”

Warum aber über Luxus reden, wo es um die Kunst von Martín Mele geht? - Er zeigt uns die Kehrseite des Luxus: den Müll, die Krempelberge, die Abfallhaufen, den ganzen abgefeierten Trash; nicht etwa das Gegenteil von Luxus, den anständigen, völlig unverdächtigen Funktionalismus, die asketischen Ideale, den Purismus. Und er zeigt uns diese Kehrseite in ihrer schönsten Abgründigkeit, die gleichzeitig Schwindel, ja Brechreiz verursacht wie ein heiteres Lächeln, das nur der Aberwitz hervorlocken kann.

“Ich laß es gehen”, sagt der Künstler, “und alle Verzweiflung, die wir auf dem Rücken tragen, von tausenden Jahren Maltradition entweicht...” Finderpech des M.M.: “Suchen gehe ich nicht. Ich gucke in die Welt hinein und frage, wie passt das zusammen?” Die verstreutesten Sachen fühlen sich von ihm angezogen, daß er sich ihrer kaum zu erwehren vermag. Das Finderglück klebt ihm wie Pech an den Fersen. So unterliegt er, sein Scheitern ist mit Händen zu greifen. Und weil er sich wehrlos zeigt gegen den Ansturm der tausend Dinge, unfähig, uns die Entscheidung abzunehmen - wie passt das zusammen? Schmuck oder Scheiße? Kunst oder Müll? - (über)tragen seine horriblen Anhäufungen zuletzt doch einen Zug von  Komik: unfreiwilliges Finderglück und verstörende Künstlertücke.

Wie der Luxus ist die Kunst etwas, wovon man nicht auch lassen
könnte, sondern beides ist den Menschen beigesellt ebendeshalb, weil sie er über die bloße Notwendigkeit immer schon hinaus und unterwegs sind ist zur Freiheit.