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KATALOG ZUGWEG

Maria Müller, Katalog Zugweg, 2000

Es sind die mannigfaltigen Formen und Farben, verborgen im sorgfältig am Straßenrand gestapelten Sperrmüll, die Martin Mele magisch anziehen. Dem suchenden Blick offenbaren sie sich in einer seltsamen Ordnung, hervorgegangen aus nichts als dem lapidaren Stapeln der Dinge.. In seinem Atelier hat Martin Mele jüngst eine raumgreifende Installation entwickelt, in der er Malerei, Zeichnung und Fundmaterialien zu einer überraschend homogen wirkenden Ordnung voller Irritationen und faszinierender Übereinstimmungen  fügte.

Ein breiter gelber Streifen, mit Farbe auf den Atelierboden gemalt, und ein bis zur Höhe von ungefähr zwei Metern auf die Wand gesprühtes, schachbrettartiges Raster markieren den Raum der Installation, funktionieren als Rahmen, innerhalb dessen sich der Dialog der Materialien, Formen und Farben entspinnt. Traditionell in Öl auf Leinwand gemalte, ungegenständliche Bilder hängen an der Wand oder sind vor ihr auf dem Boden abgestellt. Lange, bemalte Holzstangen, zwischen die farbige, gelbe und schwarze, Stoffe gespannt sind, lehnen in direkter Nachbarschaft. Die Form der Stoffe ist insofern variabel, als sie vom Abstand der angelehnten Stöcke abhängt. So schwankt sie zwischen rechteckiger und geschwungener, nach unten ziehender, Kurviger Form mit unzweifelhaft malerischen Qualitäten. Wie zufällig liegen verschiedene kugelige Gebilde am Boden: Es sind jeweils mit Klebeband zusammengehaltene Anhäufungen diverser Fundstücke. Farbe, Plastikfolien oder Stoffe haben sich wie ein verbergender Schleier über diese Materialakkumulationen gelegt, fest umwickelt von farbigen Klebebändern.  Eine dieser Klumpenformen ist lapidar auf einer Fußmatte abgelegt, deren Kuhfleckenmuster den auf die Wand gespritzten, schlingenden Linienformationen antwortet, aber auch den Materialfaltungen des klobigen, auf einem Hocker postierten Gebildes am rechten Rand des Raumes.

Zwischen den Elementen entspannt sich ein vielschichtiger Dialog, in dem das Gelb des großen Tuches nicht nur in der Bodenfarbe, sondern auch in einem kleinen Textilstück widerhallt;  in dem die Formverschlingung eines Metallbandes am Boden mit den gesprühten Linien auf der Wand und einem Gemälde korrespondiert, aber auch mit dem Verlauf des umschlingenden Klebebandes. Es ist weniger der Realitätsbezug der Fundmaterialien, der Martin Mele interessiert, als die Tatsache, daß jedes Material, unabhängig von  seinem ursprünglichen Kontext, im Bild oder in einer Installation die Funktion von Farbflächen übernehmen kann und darüberhinaus malerische Oberflächenstrukturen aufweist. Martin Meles von der Fläche in den Raum wachsenden Objekte sind aus einem malerischen, an der Farbe interessierten Denken entwickelt. Das sichtbare Vergnügen an der Deformation und Zerstörung, aber auch an fast spielerischen Assoziationen wird zur Basis konstruktiver Überlegungen zur Malerei, zu ihren Möglichkeiten und Grenzen.